Reiseberichte
Iran zwischen Tradition und Moderne
Juli 2010
Ein Bericht von Anne Karsten
Eine Reise in den Iran, welch seltsame Idee, das ist doch gefährlich, da musst Du Kopftuch tragen, was willst Du denn gerade dort? Für mich war die Idee keineswegs seltsam, fehlte mir doch noch dieser Teil zur Vervollständigung der Seidenstrasse, und Isfahan, Shiraz und Persepolis wollte ich immer schon mal sehen. Also packte ich viele Kopftücher und lange Mäntel ein und im war am Ziel total überrascht, wie lässig die Iranerinnen mit diesem Zwang umgingen, und wie erotisch diese Kleidung auch wirken kann. (die politische Situation ist nicht sehr stabil ist, daher gab es im Moment einige Freiheiten mehr)
Es zeigte sich, dass die Menschen Kontakt mit Ausländern suchen, ich wurde fast überall lächelnd und freudig begrüßt: „ erzähl mir von Deutschland, wie sieht es dort aus, darf ich Dich fotografieren, willst Du mich fotografieren, wie viele Kinder hast Du, wo bist Du schon überall gewesen? “Eine Lieblingsbeschäftigung der Iraner ist das Picknick am Nachmittag und Abend in den unzähligen gepflegten Parkanlagen, und fast überall wurde ich eingeladen zu Tee und ausgezeichnetem Gebäck, oder Käse und Tomaten. Eine überwältigende Gastfreundschaft habe ich erlebt.
Natürlich gibt es auch die Stadt Qom, die heilige Pilgerstadt, in der mehr als 50.000 Islam - Studenten lernen, diese Stadt entsprach dem düsteren Bild, das man im Ausland zeichnet, aber es war wirklich die einzige Stadt in der diese fanatische Stimmung so spürbar war.
Aber Isfahan, welch ein Traum, die Parkanlagen am Fluss Zayandeh entlang, wunderbar gepflegt, überall Blumen, Bäume, Skulpturen, Wasserspiele, Wasserpfeife rauchende Männer, fröhlich spielende Kinder und Unmengen von Grüppchen junger Männer und Frauen, die großartige, in türkis und dunkelblau schimmernde „Grosse Moschee“, der Imam Platz mit dem Bazar,, die zauberhafte Lutfollah Moschee, in altrosa Licht getaucht…wirklich die halbe Welt, wie die Einwohner sagen.
In den Rosengärten der Mausoleen in Shiraz deklamieren die Besucher wirklich Gedichte ihrer großen Dichter Hafiz und Said, wie auf einem Volksfest mutet es fast an, und die Frauen dort tragen ihre Schleier so gewagt weit hinten, und viele elegante Frauenfüße in Sandalen und mit gefärbten Nägeln gibt es sonst im Iran nirgends.
Und die archäologischen Grabungsfelder von Susa, der alten Residenzstadt der persischen Großkönige und natürlich das beeindruckende Persepolis mit den Prozessionsfriesen der Würdenträger, die diesen Großkönigen den Tribut ihrer Länder bringen, Giraffen aus Äthiopien, Löwen aus dem Zweistromland, Kamele aus Zentralasien, alles so wunderbar fein gezeichnet dass es uns einfach Respekt für die Künstler abnötigt. Und gar nicht zu reden von der vielseitigen Landschaft, Wüsten, 4.000 m hohe schneebedeckte Gebirgszüge, mesopotamische Tiefebene, bizarr geformtes Zagros Gebirge, und natürlich Orte mit verwirrenden überdeckten Bazar Gassen, duftenden Gewürzen, hochgetürmtem Obst und Gemüse, Teehäuser…
Ein vielfältiges interessantes buntes Land, das unbedingt eine Reise wert
ist.
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